Dem eigenen Gefühl nicht vertrauen…

Erst heute habe ich den nötigen Abstand um über das Erlebnis letzten Sonntag zu schreiben.

Am Ostersonntag ging ich nachmittags mit Tiffi spazieren. Tiffi lief brav neben mir an der Leine. An einer Stelle sah ich nicht, dass sie noch schnüffeln wollte, ruckte ausversehen an der Leine und fing mir einen ausgesprochen genervten Hundeblick. Und da geschah es. Ohne weiter darüber nachzudenken löste ich den Karabiner vom Sicherheitsgeschirr. Sollte sie halt selber entscheiden, wo sie schnüffeln will und wo nicht.

Doch warum tat ich das? Warum leinte ich meinen Angsthund ab, obwohl ich bereits wusste, dass das nicht funktionieren würde? Nun, der Druck war groß. Ich erhielt immer wieder Nachrichten von Tiffis ehemaligem Pflegefrauchen mit der Frage ob sie denn nun endlich ohne Leine läuft. Schließlich hatte ich ihr doch mehrfach versprochen, dass Tiffi so schnell wie möglich wieder ihre gewohnte Freiheit genießen dürfe. Und mit diesen Gedanken im Kopf, hörte ich auf diesem Feldweg eben nicht auf mein Bauchgefühl, sondern auf mein schlechtes Gewissen.

Als Tiffi merkte, dass die Leine weg war brachte sie erstmal schleunigst einigen Abstand zwischen uns. Ich rief sie und versuchte auf sie zuzugehen. Doch sie wich immer weiter zurück, je weiter ich auf sie zuging und wich schließlich auf ein Feld aus. Ich versuchte Rückwärts näher zu kommen, dass durchschaute sie aber sofort. Ich kniete mich auf den Boden und versuchte sie zu mir zu locken. Keine Reaktion. Sie schnüffelte, lief hin und her und behielt mich dabei immer im Augenwinkel, damit ich mich nicht anschleichen konnte. 

Den Tränen nahe tat ich das einzige was mir noch einfiel. Ich drehte um und begann langsam den Weg zurück zu gehen den wir gekommen waren. Und tatsächlich lief Tiffi mir langsam hinterher. Ich rief sie immer mal wieder und redete ein wenig mit ihr. Sie ordnete sich ein Stück hinter mir auf dem Feldweg ein und trottete gemächlich vor sich hin. Sobald ich jedoch versuchte auf sie zuzugehen flüchtete sie wieder auf das Feld und beäugte mich misstrauisch.

Also ging ich weiter. Ich hatte einen Puls von 180 und keine Ahnung wie das weiter gehen sollte. Wir überquerten die große Straße, die dank des Feiertags nicht sehr stark frequentiert war. Tiffi bewegte sich aus meiner Perspektive in Zeitlupentempo. 5 Minuten später hörte ich plötzlich das Klimpern der Steuer- und Tassomarke nicht mehr hinter mir. (Man kann tatsächlich nur schwerlich eine Strecke von 2 – 3 km durchgehend Rückwärts laufen.) Ich drehte mich also um und der Weg hinter mir war komplett leer. Kein Hundetier weit und breit. Gegen die Panik ankämpfend rief ich nach Tiffi. Nach gefühlten Ewigkeiten, eigentlich aber sofort, sprang sie aus einem nahe gelegenen Gebüsch, fetzte an mir vorbei und rannte mit Vollgas über ein Feld. Das kleine Mistvieh hatte mir einen Streich gespielt und fand sich wohl ziemlich witzig.

Schließlich kamen wir zuhause an. Meine Herzfrequenz steigerte sich nochmal ziemlich massiv, als ich die Haustür aufschloss, beseite trat und den Weg in den Flur frei machte. Tiffi spazierte an mir vorbei und ich klemmte ihr beinahe den Schwanz in der Tür ein, vor lauter Eile sie in Sicherheit zu wissen.

Als wir nun endlich im Haus waren verfluchte ich sie mit sanfter Stimme, während ich sie immer wieder umarmte und streichelte. Am meisten verfluchte ich aber mich selbst. Weil ich meinem Gefühl nicht vertraut hatte und weil das Ganze auch verdammt schief hätte gehen können.

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